Neue Zeiten für die sozialen Medien

Schriftzug "Hot News"

Inhaltsverzeichnis

Eine politische Neuigkeit jagt die nächste

Puh… Bist du in letzter Zeit noch hinterher gekommen? In diesen Tagen jagt eine Nachricht die nächste. Auf politischer Ebene ist wahnsinnig viel los. Um das zu merken, muss man sicherlich nur einmal kurz für 15 Minuten die Nachrichten einschalten. Das allein ist sicherlich erstmal kein neues Phänomen. Definitiv neu und auch beachtungswürdig ist jedoch die Frequenz, in der in diesem Zusammenhang die Begrifflichkeit der „sozialen Medien“ fällt.

Social Media ist längst mehr als nur ein Ort für niedliche Katzenvideos oder die neuesten Urlaubseindrücke. In den letzten Jahren hat sich die Plattform somit ebenfalls zu einem zentralen Spielfeld für Politik entwickelt. Kein Wunder also, dass TikTok, Instagram und Co. auch in Bezug auf die Wahlen am 23. Februar 2025 so im Fokus standen. Social Media ist außerdem nicht nur ein Schauplatz der Politik, sondern längst selbst zum politischen Thema geworden.

Es geht nicht mehr nur um Likes, Kommentare und Selbstdarstellung. Hier werden Aufmerksamkeitsspannen und Denkmuster verändert, hier werden heute kontroverse Themen diskutiert, hier wird Geschichte geschrieben, hier werden die Wahlentscheidungen der Zukunft getroffen.

Social Media, die Parteien und der Wahlkampf

Der Wahlkampf fand auch auf Social Media statt. Wieso? Weil die Parteien mit ihren Inhalten Punkten und potenzielle Wähler*innen erreichen möchten. Keine blöde Strategie, wenn man bedenkt, dass 87% der Menschen in Deutschland soziale Medien nutzen und ein Großteil davon auch zur primären Informationsbeschaffung.

Die Journalistin und Redakteurin für die Tagesschau Amelie Marie Weber sprach am Wahlabend mit Sprecher Ingo Zamperoni über den Anteil der sozialen Medien am Wahlergebnis.

Sie sagte: „Social Media sind enorm wichtig in diesem Wahlkampf. Wichtiger als je zuvor. Sie sind wirklich ein elementarer Bestandteil von politischer Kommunikation geworden.“ Es sei zudem unbestritten: „Junge Menschen informieren sich hauptsächlich auf sozialen Medien über Politik. (…) Allein mit Social Media gewinnt man keine Wahl, aber ohne Social Media geht’s halt auch nicht.“

Klar ist, dass sich die Parteien der Mitte in Zukunft immer mehr Mühe geben müssen, um mit den politischen Rändern mitzuhalten. Algorithmen belohnen einfach den polarisierenden und emotionalisierenden Content. Funktionen wie Repostings oder auch die Unterstützer*innen-Kultur auf TikTok und Co. machen wirklich etwas aus.

Unabhängig von der Zeit des Wahlkampfes wird es für die Parteien also wichtig sein, weiterhin auf Social Media Plattformen aktiv zu bleiben. Wer jetzt nicht auf Social Media Plattformen angekommen ist, wird existenzielle Probleme bekommen, da in diesem Fall zentrale Kommunikations- und Informationsplattformen der heutigen Zeit ignoriert würden.

Dennoch gilt es anzumerken, dass wir bis jetzt noch nicht wissenschaftlich nachweisen können, inwiefern die sozialen Medien die Wahlen jetzt genau beeinflusst haben.

* Quelle:  Tagesthemen 22:30 Uhr am 23.02.2025

Followerzahlen:

  • TikTok: Auf Tiktok fällt auf, dass die AFD mit 566339 Followern extrem klar in Führung liegt. Die Linke, als Partei mit den zweitmeisten Followern (390208), kommt inzwischen zumindest auf knapp über die Hälfte.
  • Facebook: Auch das Feld Facebook wird klar von der AFD angeführt. Sie besiegen die CDU/CSU mit reichweitenstarken 639515 Followern.
  • Insta: Hier liegen SPD und FDP im Feld tendenziell weiter hinten, genauso wie das BSW, dass das Schlusslicht bildet. Die Linke führt das Feld mit 432000 Abonennten vor den Grünen an.

* Quelle: Tiktok, Instagram, Facebook, selbst recherchiert, Stand 24.02.2025

Wieso die AFD teilweise so weit vorne liegt? Sie haben es (leider) geschafft, auf Plattformen aktiv zu sein, auf denen andere Parteien lange nicht aktiv zu finden waren. Unter anderem, weil sie das Gefühl hatten, ihre Inhalte in den anderen Medien nicht ausreichend platzieren zu können. Sie richten sich insbesondere auf Tiktok an eine junge Zielgruppe und posten mit hoher Frequenz, meist Ausschnitte von Reden. Polarisierende Kurzbotschaften mit Nachdruck und intensiver, klarer, großbuchstäbiger Caption treffen wohl genau den Zeitgeist.

Heidi Reichinnek verdankt als ebenfalls aufstrebender TikTok Star ihre Beliebtheit vor allem ihrer Authentizität. Seit Ampelbruch bekommt sie fast so viele Aufrufe wie die AFD. Die Linke hat ihr Budget für digitale Kommunikation im Vergleich zum letzten Wahlkampf übrigens verdreifacht. Polarisierende, emotionalisierende Themen funktionieren am linken Rand des politischen Spektrums genauso wie am rechten.

Die Grünen geben in letzter Zeit mit knapp 3 Millionen Euro am meisten für Wahlwerbung auf Meta und Google aus. Habeck streamt auf Twitch, Merz singt mit Stefan Raab, und Scholz tanzt im Netz. Alle jedoch im Endeffekt mit weniger Erfolg und Reichweite als Alice und Heidi.

Personalisierte Werbung wird dank Microtageting für alle Parteien möglich. Insgesamt gaben die Parteien in den letzten 3 Monaten mehr als 6.9 Millionen Euro für Werbeanzeigen aus.

Der Umgang mit sozialen Medien – ein politisches Thema

Die sozialen Medien sind nicht nur als genutztes Wahlkampfinstrument ein politisches Thema, sondern sind auch sonst Teil der Wahlprogramme und des politischen Diskurses. Schließlich muss man sich mit den noch recht neuen Medien, ihren Vorteilen und potenziellen Gefahren auseinandersetzen.

Fragen, die aufgeworfen werden:

  • Ab welchem Alter sollte man die Medien nutzen dürfen?
  • Dürfen Handy und Social Media mit in die Schulen genommen werden?
  • Wie viel politischen Diskurs darf es dort geben?
  • Ab wann darf wie in politische Inhalte eingegriffen werden?
  • Was passiert mit Fake News?
  • Muss ich meiner Lieblingspartei und meinen Lieblingspolitikern viele Likes da lassen, um sie angemessen zu pushen?

An dieser Stelle ist ein Blick nach Australien spannend. Das Land beschloss als erstes Land der Welt ein Social-Media-Nutzungsverbot für Jugendliche unter 16 Jahren. Bemängelt wird jedoch das noch mühelose Umgehen dieses Gesetzes bzw. Verbots, das nun seit November in Australien gilt. Die Mindestalterregeln sind noch so schlecht durchgesetzt, dass die bisherigen Kontrollen wenig nutzen. Ziel ist es dennoch, mit diesem Schritt eine Vorreiterrolle einzunehmen.

Social Media und seine einschneidenden politischen News der letzten Zeit:

TikTok Ban in den USA:

Im Januar war in Amerika für einen Tag Schluss mit der Plattform TikTok. Was dahinter steckte: TikTok gehört dem chinesischen ByteDance Konzern, der wiederum die chinesische Regierung mit Millionen Nutzer*innendaten aus den USA versorgen könnte, was in den vereinigten Staaten nicht gerade für Freude sorgte. Donald Trump konnte dann allerdings selbst während seiner Wahl total von der Nutzung der Plattform profitieren und überlegte sich, die Plattform solle doch behalten werden, obwohl die Besitzer*innen von TikTok sich weigerten, ihre App zu verkaufen. Trump hatte angekündigt, das Verbot erst einmal aufzuheben – daraufhin hat TikTok seine App in den USA wieder nutzbar gemacht. Nach einem Tag des Verbots. Das Ringen um die Plattform kann als Sinnbild des Messens zweier Supermächte gesehen werden.

Meta Faktencheck:

Wenn Mark Zuckerberg plötzlich neue Wege einschlägt… In den USA wurde in letzter Zeit stufenweise Folgendes veranlasst:

  • Abschaffung von Fakten-Checkern (Fehlinformationen werden Tür und Tor geöffnet, da Inhalte weniger geprüft werden.)
  • Lockerere Filter (Die Moderation von Hassreden oder diskriminierenden Inhalten etc. wird nicht mehr so strikt moderiert.)
  • Neue Richtlinien (Sensible Themen wie Migration werden ausschließlich von der Community selbst moderiert.)
    • Aktuell betreffen diese Änderungen nur die USA, in der EU gelten zum Glück strenge Regularien. Es gilt, sich langsam an die Änderungen anzupassen, aber es ist kein blinder Überaktionismus nötig.

Meta Sperrung politischer Accounts:

Fridays for future meldete die Sperrung von Accounts von Fridays-For-Future-Ortsgruppen. Dies wurde als ein Angriff auf demokratische Inhalte verstanden. Die Linke meldete auch Sperrungen von Facebook- und Insta-Accounts, beispielsweise des Kreisverbandes Baden-Baden/ Raststatt. Solche Geschehnisse bergen diverse weitere Gefahren mit sich, wie auch die der Sichtbarkeit für queere Accounts.

Meta Trump-Ban-Aufhebung:

Nach dem Sturm seiner Anhänger*innen auf das US-Kapitol wurde Donald Trump von den Online-Plattformen des Meta-Konzerns verbannt. Er zog vor Gericht – und hat jetzt als US-Präsident eine Einigung erzielt. Der Facebook-Konzern Meta zahlt 25 Millionen Dollar an Donald Trump, um eine Klage wegen der Account-Sperrung aus der Welt zu schaffen.

Meta Spark:

Von Drittanbietern bereitgestellte Filter und AR-Effekte etwa für Facebook und Instagram sind seit 2025 nicht mehr verwendbar. Entwickler*innen protestieren. Das ist aber das Ende der eigenen AR-Plattform namens „Spark“ für Tools und sonstige Inhalte von Drittanbietern.

Fehlinformationen auf X:

Auf der Plattform von Elon Musk verbreiten sich stetig Fehlinformationen. Dazu trug um nur ein Beispiel zu nennen, auch sein Telefonat mit Alice Weidel bei.

  • Unternehmer*innen kehren der Plattform vermerhrt den Rücken.
  • Elons Meinungsmacht wächst.

Social Media und die Gefahr der Abhängigkeit

Abhängigkeit ist selten ein schönes Gefühl. Egal ob emotional, finanziell, beruflich oder auf andere Art und Weise. Wir wollen unser Glück eigentlich immer selbst in der Hand haben, statt unter einem Gefühl der Machtlosigkeit und Entscheidungsunfreiheit zu leiden.

Und auch wenn’s mit Sicherheit nicht deine erste Assoziation mit dem Thema Abhängigkeit ist: In Bezug auf Social Media möchtest du ebenfalls selbst die Zügel in der Hand haben, statt abhängig von den Entscheidungen und dem guten Willen mächtiger Einzelpersonen wie Donald Trump, Elon Musk oder Mark Zuckerberg zu sein. Plattformen, die komplett unter der Kontrolle derartiger Einzelpersonen sind, entgrenzen Macht auf eine gefährliche Art und Weise.

Wir befinden uns in turbulenten Zeiten, verschiedene Veränderungen und News der letzten Zeit habe ich bereits angesprochen. Für einen Tag war in den USA Schluss mit TikTok, Meta begann, politische Accounts zu sperren, von Dritten entwickelte AI-Effekte zu entfernen und für die USA erklärte Zuckerberg zudem, dass auf die Faktenchecks in Zukunft verzichtet würde.

All das, was wir soeben gemeinsam durchgearbeitet haben, sind schlichtweg Beispiele für die Abhängigkeit der Creator, und an manchen Stellen auch der User, von großen Tech-Konzernen und den (einfluss)reichsten Menschen unserer Welt.

Hier ein sehr passendes Zitat zu der Macht eben genannter Einzelpersonen von Robert Habeck: „Wenn sich Geld und Macht verbindet, ist das gegen den Gedanken von demokratischer Gleichheit. Wenn sich Geld und Macht mit psychologischem Einfluss verbindet – also sie haben ja auch noch die Steuerung der Kommunikationswege, können damit das Reden, Denken und am Ende die Entscheidung der Gesellschaft massiv beeinflussen, und am Ende – ist Oligarchie das Mindeste, was man sagen muss.“ (Quelle: Podcast Alles gesagt? Vom 15.02.2025)

Aus der Abhängigkeit von Plattformen lösen

1. Du solltest deine aktuelle Marketingstrategie hinterfragen.

2. Es ist hilfreich, eine starke Marke zu kreieren, die auch außerhalb von Social Media Fuß fasst und von der Zielgruppe gefunden wird.

3. Beginne mit einer Diversifikation der Plattformen und deiner sonstigen Kanäle. Das bedeutet, dass du vielfältigere Mittel und Wege nutzt, um dich zu präsentieren. Das hat den Vorteil, dass du im Falle des Wegfalls einer wichtigen Plattform oder eines relevanten Kanals gut aufgestellt bist und nicht gleich deine ganze (Online-) Marketingstrategie zusammenbricht. Zur Wahl ziehen könntest du beispielsweise Social Media Plattformen (Instagram, Threads, Snapchat, Youtube, Pinterest, Twitch, LinkedIn, Xing, Facbook…). Denke hier aber auch an Zusammenhänge wie das Metaverse, zu dem WhatsApp, Facebook und Instagram gehören. Darüber hinaus kannst du dich, wenn es denn zu deinem Business passt, beispielsweise folgender Möglichkeiten bedienen: E-Mail-Marketing, PR, Radiowerbung, TV-Berichte, Veranstaltungen, Messen, Google My Business, lokale Brancheneinträge, Blogs…

4. Es ist ratsam, eine unabhängige Webpräsenz in eigener Kontrolle mit „Owned Media“ aufzubauen. Da denke ich dann an Dinge wie Website, Blog, Newsletter, eine eigene App und so weiter. Das Adjektiv „owned“ beschreibt, dass du die genutzten Kanäle „besitzt“. Die logischen, konsekutiven Vorteile sind die eigene Kontrolle sowie eine gewisse Langlebigkeit.

5. Ansonsten ist es für dich wichtig, Dinge selbst zu hinterfragen, sowie zu reflektieren und die eigene ethische Verantwortung nie aus den Augen zu verlieren. So stehst du für dich und deine Werte ein und kannst entsprechende Konsequenzen ziehen, wenn dir Richtlinien oder sonstige Regeln und Entwicklungen nicht gefallen.

Neben deiner eigenen Verantwortung dafür, die Abhängigkeit möglichst gering zu halten und demnach zu jeder Zeit up-to-date zu bleiben, kommt der Politik in dieser Debatte natürlich auch wieder eine gewisse Rolle zu. Im Wahlkampf wurde folgende Frage im Zuge der Aussagen und Verhaltensweisen von Elon Musk zum Thema: Wo ist die europäische Plattform? Wo ist die europäische Plattform, die App, die es schafft, mit TikTok, X und Co. mitzuhalten und somit eine ernstzunehmende Alternative darzustellen? Wir bleiben gespannt!

Fazit

Wenn du siehst, dass die sozialen Medien Wahlen durchaus beeinflussen können, dürftest du keinen Zweifel mehr daran haben, dass kleinste Buchungs- oder Kaufentscheidungen rein durch Social Media Inhalte getroffen werden können. Also: Nutze diese Medien, diese Chance, für dein Business oder lasse sie alternativ von mir für dich bespielen.

Der Aufwand des Social Media Managements darf nicht unterschätzt werden, aber genauso wenig darf die politische Ebene bei der Nutzung solcher Plattformen ignoriert werden. Die politische Ebene der Nutzung oder Nicht-Nutzung einer Plattform wie X von Elon Musk ist real. Die Abhängigkeit vieler Creator von bestimmten Plattformen ist genauso real und es lohnt sich, sie mitzudenken und ihr entgegenzuwirken, auch wenn wir alle auf gewisse Art und Weise von verschiedensten Dingen und letztendlich Systemen abhängig sind…

Wenn du jetzt motiviert bist, dein Business stärker in den sozialen Medien zu präsentieren und eventuell von der politischen Komponente oder an anderer Stelle überfordert bist, kannst du dich gerne über mein Kontaktformular melden oder dir direkt ein Erstgespräch buchen. Ich freue mich auf dich und ein bewusstes erfolgreiches, gemeinsames Social Media Management!

Foto von Kirsten Schölzel

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